Im Test: X-Bionic Energizer MK2 Multifunktionsshirt

Sich für die nächste Biketour einzukleiden kann oftmals eine ziemlich knifflige Angelegenheit sein. Gerade bei schwankenden Temperaturen oder windigen Verhältnissen droht der Körper bei unpassender Kleidung auszukühlen oder in Schichten aus Trikots und Jacken einzugehen. Darunter leidet nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern vor allem auch die Leistungsfähigkeit. Das Schweizer Unternehmen X-Bionic verspricht mit ihren High-Tech-Produkten dem entgegenzuwirken und die Leistungsfähigkeit gar um 10% zu steigern. Was hinter den Wunderfasern steckt, habe ich mit dem Energizer Multifunktionsshirt getestet.

Für unseren geliebten Radsport kann man ja bekanntlich viel Geld lassen. Da macht auch Funktionskleidung keine Ausnahme. Mit neuen Technologien, speziellen Fasern und Designs bitten die Hersteller nicht selten mit saftigen Preisen zur Kasse. Doch lohnt sich die Anschaffung? Lange Zeit habe auch ich mir diese Frage gestellt und bin nach jeder verschwitzten Tour an kalten Wintertagen letztendlich zu dem Entschluss gekommen: Nicht länger überlegen, sondern einfach mal ausprobieren!

So machte ich mich also auf die Suche nach etwas Passendem für meinen Einsatzbereich und wühlte mich durch die verschiedenen Herstellerseiten im Internet. Wie nicht anders zu erwarten ist auch hier die Auswahl enorm. Das jeder seine Produkte als wahre Alleskönner anpreist, machte meine Suche nicht wirklich einfacher. Über meinen Schwager, der schon länger auf die Wunderfasern des Schweizer Unternehmens schwört und auf allen möglichen Aktivitäten auf der Haut trägt, bin ich letztendlich auf X-Bionic aufmerksam geworden.

Das Unternehmen widmet sich seit der Gründung ausschließlich der Entwicklung von High-Tech Funktionskleidung und hat sich auf die Fahnen geschrieben, Sportlern mit ihren Produkten zu Höchstleistungen zu verhelfen. Aerodynamic, dynamische Stabilisierungen, maximale Kühleffizienz, strömungsoptimierte Oberflächen – was sich nach einem Anforderungsprofil eines Spaceshuttles anhört, will das Unternehmen in ihre Funktionsbekleidung mit einfließen lassen.

Ausgepackt

Das es sich bei dem Energizer MK2 Shirt nicht einfach um ein stinknormales Stück Stoff handelt, sollte spätestens nach der ersten Anprobe klar sein. Einmal übergestreift, fällt sofort die angenehme Kompression auf, die partiell auf verschiedene Stellen des Körpers ausgeübt wird. Dadurch sollen die Blutgefäße der Muskeln stabilisiert und somit der Blutkreislauf und Sauerstoffzufuhr der Muskeln angeregt werden. Was am Anfang für flatterige Jersey-Träger wohl etwas ungewohnt und beengend erscheinen mag, gerät schnell durch die hochwertigen Stoffe in Vergessenheit. Allgemein fühlt man sich in dem Energizer wohl und irgendwie “stabilisiert”. Trotzdem schien sich das Shirt meiner großen und schmalen Statur nicht so recht anpassen zu wollen, sodass ich mich immer wieder beim Nachzupfen erwischte.

Die markanten 3D-Bionic-Sphere™-Fasern regulieren Feuchtigkeits- und Wärmehaushalt.

Neben Rücken und Brustpartie sind die speziellen Fasern auch an den Ellenbogen verarbeitet worden.

Eine angenehme Kompression haben jedoch viele Funktionsshirts. Doch wie der Stoff mit der während der sportlichen Aktivität entstehende Körperwärme und daraus resultierende Feuchtigkeit umgeht, ist die wirklich entscheidende Frage, bei der sich die Spreu vom Weizen trennt. Ein kleiner Exkurs in den Biologieunterricht:

Bei körperlicher Aktivität produziert der Körper Schweiß, der bei Verdunstung die Körpertemperatur auf einem gesundem Level halten soll. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass die in dem Schweiß enthaltene Flüssigkeit, Mineralstoffe und Salze verloren gehen und die Leistungsfähigkeit des Körpers abnimmt. Wird nun durch falsche Kleidung zu viel Schweiß aufgenommen, reagiert der Körper mit einer erhöhten Produktion der natürlichen Kühlflüssigkeit. Der negative Effekt wird somit verstärkt.

Hier kommt mit der 3D-Bionic Sphere System-Technologie das Herzstück des Energizers zum tragen. Sie sorgt während der Aktivität dafür, dass überschüssige Feuchtigkeit großflächig verdunstet und durch genügend Luftzirkulation verdrängt wird. Befindet sich der Körper in einer Ruhepause nehmen die sogenannten SweatTraps überschüssigen Schweiß auf und entsorgen ihn über natürliche Weise durch Verdunstung. Am Ende bleibt eine Restfeuchtigkeit, die euch nicht unangenehm frösteln, sondern den Körper angenehm kühlen soll. Soweit die Theorie auf dem Papier. Doch wie schlägt sich das Shirt im realen Toureneinsatz?

Während der Aktivität: Der Outer Air Channel™ verdrängt überschüssige Feuchtigkeit durch Frischluftzufuhr. (Quelle: X-Bionic)


Während der Ruhephase: Der Inner Air Channel™ speichert und isoliert warme Luft. (Quelle: X-Bionic)

 

On the Track

Wie ich direkt nach meinem Kauf feststellen musste, ist das MK Energizer eigentlich für den Ski-Einsatz konzipiert worden und entsprechend für kühlere Temperaturen ausgelegt. Doch der Preis war heiß wie ich auf das Shirt. Zudem kam mir wärmende Unterstützung an kalten Wintertagen gerade recht. Also: Überstreifen und ab dafür!

Meine erste Tour mit dem Wunderfasern hatte es gleich in sich und stellte den Schweizer Neuzugang aus dem Hause X-Bionic auf eine harte Probe. Die Bedingungen: Freiburg, -15 Grad und dichter Nebel. Wer hier falsch gekleidet ist, hat definitiv ein Problem. Ich war zum Glück keiner davon. Schon nach wenigen Minuten wich die bittere Kälte einer wohltuenden Wärme, die selbst mit Softshelljacke und Jersey nicht in Schweiß ausartete. Auch nach längeren Ruhepausen war kein unangenehmes Auskühlen bemerkbar. Den ersten härtetest hat das Shirt also mit Bravour bestanden.

Auch mit Softshell-Jacke eingepackt, blieb der Energizer darunter sprichwörtlich cool.

Szenenwechsel nach Finale Ligure. Das Thermometer steigt auf bis zu 20 Grad an. Mit meinem Test treibe ich es ziemlich auf die Spitze und ziehe mir wieder das Shirt über. Was von außen paradox erscheinen mag, funktioniert tatsächlich! Das langärmlige Shirt schafft es, überschüssigen Schweiß fern zu halten und den Körper durch ausreichende Restfeuchtigkeit trotzdem zu kühlen. Das ganze funktionierte sogar so gut, dass ich meine MTB-Jerseys trotzdem noch überziehen konnte. Nach meinem eigenen Wohlbefinden ist die Grenze jedoch oberhalb der 20 Grad-Marke dann erreicht. Mehr als beachtlich, für ein Funktionsshirt, dass eigentlich für kalte Temperaturen konzipiert ist.

Gegen meine Befürchtungen fiel die für mich nicht ganz perfekt sitzende Passform während der Fahrt nicht unangenehm auf. Durch die Haltung am Lenker zwickte das Shirt in keinster Weise und blieb durch straffe Gummizüge am Saum an Ort und Stelle. Dank des antibakteriellen Gewebes, muss das Shirt nicht gleich nach dem ersten Tragen in den Wäschekorb wandern, sondern kann auch gut und gerne ohne unangenehme Geruchsentwicklung zweimal getragen werden.

 

Mein Fazit

Ob mich der Energizer meine Leistungsfähigkeit wirklich um 10 Prozent steigern konnte, wäre nach wenig ambitionierten Einsatz wohl etwas müssig zu behaupten. Jedoch – und das war für mich entscheidend – hatte ich stets das Gefühl an kalten wie auch an wärmeren Tagen optimal gekleidet zu sein. Der Spagat zwischen beiden Extremen gelingt dem Energizer hervorragend und ist für einen absolut fairen Preis zu haben.

 

Weitere Infos zu dem Energizer MK2 von X-Bionic findet ihr unter www.x-bionic.com  

 

 

Text: Pascal Fessler   Bilder: Pascal Fessler, X-Bionic

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