Spot Check: Vogesen

Idyllische Weindörfer, schöne Berglandschaften mit ihren zahlreichen Burgen und ausgezeichnetes Essen wo auch immer man einkehren mag. Die Vogesen sind nicht nur unter Wanderern, sondern auch unter Bikern ein ganz heißer Tipp. Auch ein Blick auf die Weltranglisten der Mountainbike Elite zeigt: Das französische Mittelgebirge ist Geburtsstätte vieler erfolgreicher Fahrer. Grund genug also, über das verlängerte Wochenende unseren französischen Nachbarn einen Besuch abzustatten.

Nachdem unser letztjähriger Bikeurlaub in den Sextner Dolomiten Ende Mai zum Großteil aus Schneewanderungen bestand, wollten wir dieses Jahr die luftigen und kühlen Höhen der Alpen vermeiden, jedoch selbstverständlich nicht auf erstklassige Trails verzichten. Durch den relativen kurzen Aufenthalt sollte zudem die Anfahrtzeit so gering wie möglich gehalten werden. Aufgrund dieser Bedingungen erhielt das französische Mittelgebirge letztendlich den Zuschlag.

Doch schon während der Planungen stießen wir während unserer Tourenplanungen auf erste Probleme. Wer nämlich erwartet, in Google zum Suchbegriff „Vogesen Mountainbike-Touren“ hunderte brauchbare Suchergebnisse zu erhalten, wird enttäuscht werden. Zwar sind gute Trails in den Vogesen alles andere als rar, viel eher jedoch ein gut gehütetes Geheimnis unserer Nachbarn. „Passt irgendwie zu den Franzosen“ denke Ich mir und suche weiter. Nach einigen intensiven abendlichen Recherche-Sessions stand dann schließlich der Masterplan für die kommenden 4 Tage, unter Anderem mit 2 Tagestouren und einen Besuch Im Bikepark Lac Blanc enthält.
Um auch den Anreisetag sinnvoll zu nutzen, wechseln wir direkt nach unserer Ankunft Jogginghose mit Bikeshort, schwingen uns auf den Sattel, um die Gegend rund um unseren Standort Géradmer zu erkunden. Nach gediegenem Einrollen entlang des örtlichen Sees erteilt uns das Streckennetz die erste Lektion: Zugewucherte Trampelpfade, die eigentlich kaum als solche bezeichnet werden können, gelten hier durchaus als offizielle Wege und sind keine Ausnahme. Naturbelassenheit ist das Stichwort, das auch die folgenden Streckenkilometer treffend beschreibt. Da diese Tatsache der Region jedoch genauso voraus eilt wie die Klasse der lokalen Spezialitäten, lassen wir uns nicht beirren und kämpfen uns in Rambo-Manier weiter durch den total verwucherten Wald. Je weiter wir in das dichte Grün vordringen, desto mehr Striche auf dem Empfangsbalken unserer Smartphones verabschieden sich und jeder fragt sich mittlerweile, welcher Extremwanderer uns hier noch finden soll. Glücklicherweise haben wir nach einiger Zeit richtigen Schotterweg unter den Rädern und unsere Offroad-Expedition wird mit ersten ansehnlichen Trails entlohnt. Von Hängen mit alpinem Flair bis hin zu moosbewachsenen Elfenwäldern führen uns die Wege an den unterschiedlichsten Orten vorbei. Dabei ist einer schöner als der andere, sodass man eigentlich gar nicht so schnell daran vorbeirauschen möchte. Durch zahlreiche Stein- und Wurzelpassagen sowie äußerst flowigen Waldpfaden bieten die Trails Abwechslung und Spaß pur und machen Lust auf die kommenden Tage.
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Nadelwaldboden und Moosbewachsene Steine: Trails aus denen Träume gemacht sind.
Spot Check Vogesen Moos Forest
Die moosbewachsenen Wälder könnten Setting eines Fantasy-Streifens sein.
Gleiches gilt auch für den Bikepark Lac Blanc, der bei einem Besuch in den Vogesen definitiv zum Pflichtprogramm gehören sollte. Mit insgesamt 6 Strecken unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade (gekennzeichnet mit grün, blau, rot und schwarz) wird nicht nur Hardcore-Downhillern, sondern auch Parkneulingen eine Menge geboten. Während die grün markierten Strecken durch Anlieger, kleineren Sprüngen und Pumptrack-Passagen Flow pur garantieren, geht es auf den roten und schwarz gekennzeichneten Lines La Nuts und la Roots ordentlich zur Sache. Wie für einen guten Bikepark üblich lassen sich besonders knifflige Passagen durch einfachere Chicken Ways umfahren. Dabei sind die Strecken so gestaltet worden, das selbst technisch versiertere Fahrer auf den Flowlines nicht den Spaß verlieren. Das gut funktionierende Liftsystem bringt einen nach der Abfahrt wieder rasch auf den Gipfel und der Spaß geht wieder von vorne los. Dadurch sind schnell die Strecken gefunden, die zu den eigenen Fähigkeiten passen. Da der Park jedoch generell nur am Wochenende öffnet, ist mit entsprechendem Andrang und damit verbunden Warteschlangen an den Liften zu rechnen. Die Öffungszeiten werden jedoch den deutschen Feiertagen angepasst, sodass sich die Besucherzahl an diesen Tagen in Grenzen hält und somit mehr Strecken gefahren werden können.
Spot Check Vogesen Lac Blanc
Flow für alle! Der Bikepark Lac Blanc bietet Spaß ohne Ende!
Nachdem wir an diesen Tag Tiefenmeter en masse gesammelt hatten und die dazu nötigen Höhenmeter bequem durch Liftunterstützung bewältigt werden konnten, war am nächsten Tag wieder purer und ehrlicher Beinschmalz gefordert. Ziel der Tour war der auf knapp 1400 Meter liegende Grand Ballon, der schon von Weitem sichtbar über den den Gipfeln des Mittelgebirges thront.
Vom beschaulichen Dörfchen Murbach aus geht es ohne jeden Schongang auf gut befahrbaren Singletrails und Forstwegen stramm Richtung Gipfel. Oben Auf dem kahlen Gipfel angekommen, lässt der herrliche Ausblick jegliche Anstrengungen vergessen und schon jetzt zahlreiche interessante Abfahrtsmöglichkeiten erahnen. Nach einer kurzen Tragepassage führen uns die ersten Meter der Abfahrt auf einen technisch anspruchsvollen und teilweise verblockten Trail entlang der Südseite des Berges. Fortan sind wir begeistert und genießen jeden Meter dieses genialen Downhills, der bis hinunter zum Tal immer besser zu werden scheint. Besonders erfreulich: Durch äußerst abwechslungsreiche Passagen kommt hier jeder auf seine Kosten, sodass kein Frust bei zu anspruchsvollen oder Langeweile bei zu einfachen Trails aufkommt.

Spot Check Vogesen Murbach_

In Dörfern wie diesen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
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Die Abfahrt vom Grand Ballon ist ein Traum.
Großen Anteil an unserer Tour haben unter anderem auch die ausgeschilderten VTT-Wege (französisch für Mountainbike), die zu unserer Freude in keinster Weise mit den vergleichsweise langweiligen ausgeschilderten Mountainbike-Strecken aus der Heimat zu vergleichen sind. Dadurch kann getrost auch einfach mal drauf losgefahren und die Gegend erkundet werden, ohne das die Tour droht, durch Schotterwege in Langeweile zu versinken.
Mit insgesamt 3 Platten Reifen, ordentlich Trailkilometern und reichlich Glücksgefühlen rollen wir schließlich unter strahlendem Sonnenschein die letzten Meter zurück nach Murbach.
Wie schon zuvor findet auch dieser Tag durch die hervorragenden Elsässischen Spezialitäten seine Krönung und jeder ist über die Entscheidung, das verlängerte Bike-Wochenende in den Vogesen verbracht zu haben, einfach nur froh. À santé!
Spot Check Vogesen Trail2
Je nach Lage findet man in jedem Wald die verschiedensten Vegetationen.

 

Spot Check Vogesen Trail to Murbach
Die Trails sind teilweise durchaus ruppig, jedoch allesamt sehr gut fahrbar.

Unser Fazit

Für viele ist die Region noch gänzlich unerforschtes Terrain und ein weißer Fleck auf der Karte. Dabei wird hier Bikern eine Vielfalt geboten, die es in der Form nur selten zu finden gibt. Mit einem super spaßigen Bikepark, abwechslungsreichen Trails, einer traumhaft schönen ursprünglichen Natur und ausgezeichneten Köstlichkeiten wird hier jeder Radsportler auf seine Kosten kommen – garantiert!

 

Autor: Pascal Fessler

 

3 thoughts on “Spot Check: Vogesen

  1. Hallo Pascal

    Dein Artikel ist wieder sehr gut gelungen, besonders gefällt mir Deine bildhafte Beschreibung der Gegend. Vielleicht aber, sollte wir dieses Geheimnis doch besser hüten, dass es nich plötzlich zu voll wird. 🙂

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