Spot Check: Nauders am Reschenpass

Vielen ist die Region Nauders noch gänzlich unbekannt. Doch in den letzten Jahren ist hier etwas entstanden, das die Mountainbike-Gemeinde aufhorchen lassen sollte. Durch ein umfangreiches Bauprojekt der Region rund um den Reschenpass und Alutech Cycles ist hier für Biker ein wahres Trailparadies entstanden. Warum sich ein Besuch dort lohnt, erfahrt ihr in unserem Spot Check.

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Wie ich in einem zuvor veröffentlichen Beitrag bereits berichtet habe, bekam ich die Möglichkeit im Rahmen des Scott Enduro Camps die Region rund um den Reschenpass etwas näher kennen zu lernen. Wirklich viel wusste ich über die Region zugegebenermaßen bis Dato noch nicht. Zu präsent waren bisher die üblichen Verdächtigen Reiseziele der Alpen. Auch an meinem Anreisetag kann ich durch Dunkelheit und tiefen Nebel noch nicht erahnen, in welchem Paradies ich mich die nächsten 3 Tage aufhalten werde. Erst der nächste Morgen offenbart den wunderschönen Reschensee und die drumherum liegenden Berge. Das Besondere: Nicht weit entfernt treffen die Grenzen der Länder Österreich, Schweiz und Italien direkt aufeinander, sodass jede der aktuell 18 Touren über mindestens eine oder mehrere Landesgrenzen führt. In der Endphase des Projekts sollen insgesamt 22 ausgeschilderte Touren zur Verfügung stehen. Beim Anblick, der sich mir an diesem Morgen bietet, kann ich es kaum erwartet, die sogenannten „3Länder-Enduro-Trails“ endlich unter die Stollen nehmen zu können.

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Der Reschensee gilt mit seine beschaulichen Dörfern als Schmuckstück der Region.

Um in kurzer Zeit die verschiedenen Trailstationen zu erreichen nutzen wir dazu überwiegend das Liftsystem, das im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut wurde und durch die Ausgangspunkte Reschen, St. Valentin und Nauders vom See aus mit wenig Anstrengungen erreicht werden kann. Die Liftpreise gestalten sich dabei im Vergleich zu anderen Regionen sehr attraktiv und äußerst fair. Selbstverständlich kann gänzlich auf Liftunterstützung verzichtet und die Höhenmeter per Muskelkraft bewältigt werden. Angesichts der herrlichen Blicke auf den Reschensee und die umliegenden Bergketten, die sich einem dabei bieten, lässt sich diese Option sicherlich auch weniger Konditionsstarken Bikern gut verkaufen.

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Jede Tour lässt sich mit den insgesamt 4 Bergbahnen verbinden.

Quasi zum Einrollen steht der erste Trail von der Liftstation Schöneben Richtung Tal auf dem Programm. Schnell wird klar: Wo die Region Enduro drauf schreibt, da ist auch Enduro drin! Mit vielen schnellen sowie sehr vielen technischen und knifflig verwurzelten Passagen bietet dieser sehr naturbelassene Trail alles, was das Bikerherz höher schlagen lässt. Trotz des nassen Untergrunds entspannen sich mit jedem Tiefenmeter zunehmend meine Bremsfinger und der Flow hält immer mehr Einzug. Wie eine wilde Achterbahnfahrt schlängeln sich die perfekt gezogenen Trails durch den Wald hinunter zum See und machen Lust auf mehr.

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Die Trails wissen durch Naturbelassenheit…

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…und viel Flow zu überzeugen.

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Das eigentliche Highlight des Wochenendes sollte jedoch am Tag darauf folgen, der ganz im Zeichen der offiziellen Strecke der European Enduro-Series lag. Mit einer Gesamtstrecke von 51 km und 1476 Höhenmetern bei 4055 Tiefenmetern und der Überquerung aller drei angrenzender Länder verspricht der Kurs Trailspaß und Naturerlebnis ohne Ende. Bei strahlendem Sonnenschein und unter Restendorphinen des Vortages pedalieren wir mit Elan zum ersten Gipfel, der uns einen grandiosen Blick auf den Reschensee beschert. Nach einem vollmundigen Expresso auf der Reschenhütte biegen wir in den folgenden Trailabschnitt ein, der uns zuerst auf Holzstegpassagen durch ein Hochmoor führt, uns dann jedoch abrupt durch ziemlich anspruchsvolle Stein- und Wurzelpassagen wachrüttelt. Auch die folgenden Trailmeter sind denen einer Endurostrecke mehr als würdig und treiben uns Teilnehmern aber auch einem Vollprofi wie Remy Absalon ein permanentes Grinsen ins Gesicht.

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Auf den Almpfaden kann man es getrost laufen lassen.

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Beschauliche Plätze wie dieser machen das Trailerlebnis perfekt.

Eine vorläufige Verschnaufpause gibt erst wieder während der Fahrt in der Bergkastelbahn, die uns auf den gleichnamigen Berg zum Plamort-Trail bringt. Oberhalb der Baumgrenze führt uns ein sehr schöner alpiner Trail direkt über die österreichisch-italienische Grenze und deren Verteidigungsstellungen aus der Nachkriegszeit. Nachdem Passieren einer riesigen Panzersperre folgt schließlich das große Finale. Die Abfahrt, die uns quasi direkt am Hinterhof unseres Hotels ausspuckt, ist in jeder Hinsicht ein Traum und lässt keine Wünsche offen. Unten angekommen treffen sich unsere Blicke und jeder denkt in diesem Moment gleiche: Was für eine Tour!

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Der Plamort-Trail ist ein absolutes Highlight und sollte ganz oben auf der Agenda stehen.

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Bei diesen Ausblicken fällt es schwer, sich auf die kommende Abfahrt zu konzentrieren.

Bei leckeren Spinat- und Semmelknödel am Abend in einem der vielen guten Gaststätten wird der Ablauf für den dritten und letzten Tag des Camps besprochen. Da uns lediglich der halbe Tag zur Verfügung steht, beschließen wir uns intensiv dem Mutzkopf zu widmen, der mit 4 verschiedenen Trails einiges an Vielfalt verspricht. Oben am Gipfel angekommen hat man schließlich die Qual der Wahl zwischen dem Elven, Kreuzmoss, Green oder dem Gerry Trail. Auch hier hier hat man das Traildesign überwiegend Mutter Natur überlassen, sodass jede der Strecken einen ganz eigenen Charakter und Charme besitzen und Spaß für alle Könnerstufen garantiert. Nach einigen Abfahrten haben wir längst immer noch nicht genug und sind uns alle einig, dass alleine der Mutzkopf einen kompletten Tag füllen könnte. Zwischendurch rauscht an uns ein ehemaliger Bürgermeister des nahe gelegenen Ortes in Enduro-Vollmontur vorbei, der uns bei einer Reifenpanne hilft und uns dabei einige interessante Geschichten über das Streckenbauprojekt erzählt. Der shreddende Bürgermeister von Nauders – Eine total coole Situation, die zeigt, mit welcher Leidenschaft die Menschen in der Umgebung hinter diesem großartigen Projekt stehen. Ich genieße schließlich die letzte Abfahrt in vollen Zügen und bin mir ganz sicher, dass ich diese Trails sicher nicht zum letzten Mal fahren werde.

Mein Fazit

Nauders hat mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Die Region hat es mit viel Engagement und Leidenschaft geschafft, einen Erlebnispark zu schaffen, der sich auf das konzentriert worauf es letztendlich ankommt: Trailspaß! Die aktuell 18 sehr gut ausgeschilderten Touren voller grandioser naturbelassener Trails, die für Einsteiger wie auch Fortgeschrittene eine unglaubliche Vielfalt bieten und durch eine hervorragende Infrastruktur allesamt sehr gut erreichbar sind, machen die Region für mich nicht zu etwa zu einem Geheimtipp, sondern ganz klar zu einem absoluten Muss für jeden Freund des gepflegten Trailridings.
 

Weitere Infos unter www.vinschgau.net

 

Text: Pascal Fessler    Bilder: Christoph Bayer

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