Spot Check: Canadian Trail Freiburg

Wenn vier Kanadische Trailbauer aus British Columbia eigens eingeflogen werden, um sich durch einen angelegten Trail im Land der 2-Meter-Regel zu verewigen, muss etwas außergewöhnliches passiert und besonderes entstanden sein. Wir haben uns auf den Weg in den wunderschönen Breisgau begeben, um den sagenumwobenen Canadian Trail unter die Stollen zu nehmen.

Seit einigen Jahren zeichnet sich eine äußerst positive Entwicklung für uns Mountainbiker in Deutschland ab. Neben der wachsenden Anzahl an Bikeparks entstehen im Lande immer mehr öffentlich angelegte Trailstrecken, die ohne Liftunterstützung auskommen und für Jedermann kostenlos nutzbar sind. Im Fokus stehen daher nicht etwa besonders herausfordernde Knochenbrecher-Sektionen, sondern Streckenkonstellationen, die Fahrspaß für Anfänger und Fortgeschrittene bieten. Da hinter der Umsetzung solcher Strecken meist ehrenamtliche Vereine und Helfer stehen, kommen auf die Kommunen in der Regel keine Kosten zu. Eine Win-Win-Situation für alle beteiligten Parteien und ein wahrer Segen für uns Mountainbiker.

Als Vorreiter solcher Projekte stehen die Trails in Freiburg, die Landesweit für Aufsehen sorgen und zeigen, wie im Land der 2-Meter-Regel der Konflikt zwischen Wanderer und Radfahrer sinnvoll gelöst werden kann. Die Geschichte hinter den neusten Strecken in Freiburg dabei ist genau so genial wie das Projekt selbst. Auf einer Reise im Freeride-Mekka lernt der Vorsitzende des Freiburger MTB-Vereins Ansgar Wasmer den Kanadier Kris und seine drei Kumpels kennen, die sich als professionelle Trail-Bauer outen. Ansgar schlägt daraufhin spontan vor, dass die Jungs ihre Fähigkeiten mal in Freiburg einsetzen könnten. Was ursprünglich mehr mit einem Augenzwinkern gemeint war, wurde wenig später auf einmal Realität. Zusammen mit dem ebenfalls in Freiburg lebenden Specialized-Ingenieur Peter Denk schaffte es Ansgar von der Stadt Freiburg grünes Licht für den Bau eines öffentlichen Mountainbike-Trails zu bekommen. Nach Erhalt der Baugenehmigung wurden die Trailbauer aus BC schließlich nach Südbaden eingeflogen, um zusammen mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern den Trail binnen 6 Wochen vom Kybfelsen ins Tal zu ziehen. Finanzielle Unterstützung gab es dafür von der Stadt jedoch nicht. Die angefallenen Unkosten für Flüge, Verpflegung und Unterkünfte der Kanadischen Gäste wurden komplett von Peter Denk höchstpersönlich gesponsert.

Eigentlich viel zu spät haben wir es nun endlich auch geschafft, unsere Bikes für genau diesen Trail zu satteln und uns auf den Weg nach Freiburg zu machen. Dass das Thermometer nach unserer Ankunft ungemütliche -3 Grad anzeigt, ist uns angesichts des uns bevorstehenden Vergnügens erst einmal egal. Um nicht zu erfrieren pedalieren wir also stramm auf anfangs recht steilen Forstwegen dem Kybfelsensattel entgegen. Nach ein paar Höhenmeter fällt jedoch die Steigung ab, sodass es gediegen mit schönen Aussichtspunkten auf die Stadt Richtung Traileinstieg geht. Durch eine sehr gute Beschilderung braucht man sich um Orientierung keine Sorgen zu machen und kann das GPS getrost zu Hause lassen. Oben angekommen weist ein Holzschild unübersehbar auf den Traileinstieg hin. Ab jetzt heißt es: Sattel runter und genießen! Denn wo Kanada draufsteht, ist hier auch wirklich Kanada drin. Anlieger um Anlieger schraubt sich der Trail nach unten und beglückt dabei seine Befahrer mit zahlreichen Sprüngen, kleineren Northshore-Elementen und Kompressionsschwüngen.

Der Canadian lädt von Anfang an zum Spielen ein.

Die Streckenführung lässt die Handschrift von Profis erkennen und begeistert durch mächtig Flow.

Merklich wurde beim Bau der Strecke darauf geachtet, jede Könnerstufe anzusprechen und somit ein Überrollen der Schlüsselstellen und Sprünge zu gewährleisten. Anfänger können sich so langsam aber sicher rantasten, während fortgeschrittene Fahrer es getrost krachen lassen und Style-Punkte sammeln können. Trotzdem sollte man beim ersten Befahren des Trails Vernunft walten lassen, da durch die teilweise herrlich glatt geshapeten Trails enormer Speed generiert werden kann. Dass der Canadian immer mehr Biker nach Freiburg lockt, ist auch umliegenden Krankenhäusern nicht entgangen.

Gelegentliche mit steinen gespickten Stellen sorgen für Abwechslung.

Am Fuße des Kybfelsens wieder angekommen sind wir einfach nur begeistert und würden das Erlebnis nur allzu gerne um ein vielfaches wiederholen. Doch die kurzen Wintertage machen uns einen Strich durch die Rechnung, sodass wir leider wieder die Heimreise antreten müssen. Doch der Canadian steht schon jetzt für die neue Saison fett unterstrichen auf unserer Agenda.

Unser Fazit:

Der Canadian Trail ist nicht nur ein hervorragendes Beispiel für erstklassige Trailbaukunst made in BC, sondern auch das Ergebnis eines außergewöhnlichen Engagements vieler passionierter Biker und ehrenamtlicher Helfer. Das Beste daran: Jeder kann davon profitieren und sollte dies angesichts des Spaßpotentials, den der Trail für jede Könnerstufe birgt, auch unbedingt tun!

Autor: Pascal Fessler

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