Im Test: Conway WME 727 ALU

Mit der WME-Serie landete Conway einen großen Wurf und hat sich im umkämpften Enduro-Segment prompt einen Namen gemacht. Für einen ausführlichen Testbericht in Südtirol stellte uns Conway eines der Einsteigermodelle WME 727 ALU zur Verfügung. Wir stellten uns die Frage: Wie viel Enduro-Bike
gibt´s für kleines Geld?

Conway WME 727 ALU Front

Wenn es um die Modellbezeichnungen der Bikes geht, lassen sich die Hersteller die unterschiedlichsten Namen einfallen. Von ausgefallen kreativ bis fragwürdig abstrus. Conway dagegen nannte die neu geborene Enduro-Serie ganz einfach und selbstbewusst „We make Enduro“. Dass es sich dabei nicht etwa um leere Marketing-Worthülsen handelt, bewies die Marke aus dem Hause Hartje in diversen Tests der angesagtesten Szenemagazine. Das Topmodell WME 1027 begeistert neben einer wunderschönen Stealth-Optik mit erstklassigen Parts, durchdachter Geometrie und sinnvollen Features. Alternativ dazu finden sich weitere Modelle mit unterschiedlichen Ausstattungsvarianten für jeden Geldbeutel im Produktportfolio. Darunter auch das WME 727 ALU für 3.099,95 € (UVP). Doch bedeutet ein günstigerer Kaufpreis zwangsläufig auch Abstriche in Sachen Fahrverhalten und Funktion im Vergleich zu den Topmodellen? Um das herauszufinden, ging es für vier Tage auf die fordernden Enduro-Trails in Nauders am Reschenpass.

Conway WME 727 ALU Full

Auch die Alu-Version sieht sehr schick aus.

Das WME im Überblick

Wie auch in der Carbonversion setzt Conway für die ALU-Variante auf simple Schlichtheit und lag meiner Meinung nach damit genau richtig. Der formschöne Rahmen kommt in einem edlen gebürsteten Look daher und ist sauber verschweißt. Vereinzelt finden sich schöne Details am Rahmen, die sich dezent abheben und ins Auge fallen. Den Kontrast zum hellen Rahmen bilden die schwarzen Parts, die überwiegend aus dem Hause SRAM kommen. An der Front arbeitet die auf der letztjährigen Eurobike vorgestellten Yari RC Gabel, am Heck der Monarch Plus RC3-Dämpfer. Für den Antrieb sorgt die 1×11 GX-Gruppe, verzögert wird mit den Guide-Bremsen. Den direkten Bodenkontakt stellen die Spline E1900 Felgen von DT Swiss zusammen mit den Continental Trail King Reifen her. Weniger hübsch, dafür jedoch in Hinblick auf Wartung und Service durchaus sinnvoll sind die extern verlegten Züge am Rahmen. Weiterhin sind eine C-Guide Bionicon Kettenführung, ein Mudguard und ein gummierter Kettenstrebenschutz im groben Enduroeinsatz willkommene Features.

Conway WME 727 ALU Guide Brakes2

Mit den SRAM Guide-Bremsen geht es in die Eisen.

Conway WME 727 ALU GX

Für den Antrieb sorgt die 11-fach GX-Schaltgruppe von SRAM.

Conway WME 727 ALU Mudguard

Um den Hinterbau vor übermäßiger Verschmutzung zu schützen wurde ein Mudguard verbaut.

Conway WME 727 ALU C.Guide

Hält die Kette an Ort und Stelle: Die Bionicon Kettenführung.

Laut Conway wurde bei der Entwicklung des Bikes auf ein ausgewogenes Verhältnis aus flachem Lenkwinkel, mittlerer Tretlagerhöhe, ausreichend Bodenfreiheit, niedriger Front und niedriger Überstandshöhe Wert gelegt. Diese Attribute spiegeln sich im Datenblatt des WME wieder: Ein langer Reach 439 mm (Größe M), kurzer Vorbau, 75° Sitzwinkel und 65,5° Lenkwinkel. Bei der Konzeption des Hinterbaus entschied man sich für einen schwimmend gelagerten Dämpfer. Laut Conway konnte so der Umlenkhebel dadurch kleiner gestaltet und somit Vorteile in Punkto Gewicht und Optik erzielt werden. Via Flip-Chip lässt sich der 160 mm potente Hinterbau auf 170 mm Hub zusätzlich erweitern.

Conway WME 727 ALU Hinterbau

Je nach Vorlieben können mit Hilfe des Flip-Chips 10 mm mehr Hub am Hinterbau draufgepackt werden.

Auf dem Trail

Uphill

Wer zum ersten Mal auf einem WME Platz nimmt, dem wird die sehr zentrale und kompakte Sitzpostition auffallen. Der steile Sitzwinkel sorgt dafür, dass trotzdem mit Power in die Pedale getreten werden kann und das Aluminium-Bike sehr ordentlich Richtung Gipfel marschiert. Angenehm unauffällig blieb dabei der antriebsneutrale Hinterbau, der zusammen mit den Continental Trail King Reifen jederzeit genügend Traktion generierte – selbst auf steilsten Trailpassagen. Von nervigem Gewippe fehlte jede Spur, sodass ein Lockout am Dämpfer eigentlich nie nötig war. Lediglich im Wiegetritt lohnt sich Blockieren durch den Einstellungshebel.

Downhill

Während in den Modellen WME 1027 und 827 die Peak Performance-Gabel RockShox Pike verbaut wird, setzt Conway beim 727-er Modell auf die Einsteiger-Enduro-Gabel Yari. Viele werden an dieser Stelle nach dem Unterschied zwischen den beiden Gabeln fragen, wo sich doch beide das gleiche Casting und Standrohre teilen. Während Lyrik und Pike mit der bewährten Charger-Dämpfung arbeiten, wurde die Yari mit der ebenfalls erprobten Motion-Control-Dämpfung ausgestattet, die im Gegensatz zur Charger-Dämpfung simpler mit einem offenen Ölbad realisiert wird. Das drückt den Preis, soll aber keine wesentlichen Auswirkungen auf die Leistung der Gabel haben. Einen signifikanten Performance-Unterschied konnte ich in den vier Tagen jedenfalls nicht ausmachen. Im Gegenteil: Die Yari wusste auf ganzer Linie zu überzeugen und war zu keiner Zeit mit den Wurzel- und Steinorgien der Trails rund um den Reschensee überfordert. Gleiches gilt für den Monarch-Dämpfer, der sehr gut mit der Gabel harmonierte und sämtliche Unebenheiten ganz gelassen entgegennahm. Beide Federelemente sind durch die einfachen Einstellungsmöglichkeiten rasch abgestimmt, sodass es ohne Doktorarbeit schnell auf den Trail gehen kann.

Conway WME 727 ALU Trail3

Sowohl auf verblockt steinigem…

WME 727 Wurzelgeballer

…als auch verwurzeltem Terrain behielt das Fahrwerk die Ruhe.

Conway WME 727 ALU Trail1

Die Trails rund um den Reschensee boten perfekte Testbedingungen.

Die von Conway angestrebte Balance der Geometrie macht sich im Downhill fortan positiv bemerkbar. Geht es steil und schnell bergab, sorgt der lange Reach für die nötige Ruhe. Der flache Lenkwinkel gewährleistet mit dem 780 mm breiten Contec-Lenker volle Kontrolle über jegliches Terrain, die flache Front für genügend Druck auf dem Vorderrad. Die kurzen 430 mm-Kettenstreben verleihen dem Bike zudem ein sehr verspieltes Handling. Dadurch verleitet das WME mit einer aktiveren Fahrweise noch mehr Speed und Spaß unter Begleitung des herrlich klingenden Freilaufs der DT Swiss Naben zu generieren. Mit der mittleren Tretlagerhöhe verzichtet Conway bewusst auf gefühlt noch mehr Kontrolle, um unerwünschten Bodenkontakt mit Kettenblatt oder den Pedalen zu vermeiden. Das mag die Vorlieben des ein oder anderen Fahrers nicht treffen, kam mir aber auf den sehr wurzeligen Trailpassagen in Reschen sehr entgegen.

Conway WME 727 ALU Trail2

Das WME vermittelt Sicherheit und bringt den Fahrer in Spiellaune. 

Auch Antrieb und Bremsen ließen keinen Anlass zur Kritik. Absolut zuverlässig erledigte die GX-Schaltgruppe und die Guide-Bremsen ihren Job und standen den teureren Parts in Punkto Funktion in Nichts nach. Einzig bei der Expert Teleskopsattelstütze hätte ich mir ein schnelleres und einfacheres Ein- und Ausfahren der Stütze gewünscht. Gerade in schnelleren Up- und Downhill-Passagen hinkte diese ein wenig hinterher.

Fazit

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Es muss nicht immer der Bausparvertrag dran glauben, wenn die Anschaffung eines neuen Enduros bevorsteht. Conway bietet mit dem WME 727 ALU ein durchdachtes Bike mit kleveren Details für wenig Geld, ohne dabei Kompromisse in Sachen Funktion einzugehen. Überzeugt haben mich vor allem die Allround-Qualitäten des WMEs. Zwar ist das Modell bei Weitem kein Leichtgewicht, dennoch besitzt es solide Klettereigenschaften und macht auf dem Trail dank eines klasse Fahrwerks mit verspieltem Handling mal so richtig Laune.

 

Interesse geweckt? Das WME 727 ALU gibt es hier bei uns im Shop.

 

Autor: Pascal Fessler

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.